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03.07.2011 - Kath. SonntagsZeitung - "Wie eine Familie"

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Wie eine Familie

Angelika Kopitzke lebt fast 50 Jahre in St. Johannesberg

ORANIENBURG • Am 25. Juni hat die Caritas-Einrichtung St. Johannesberg ihr 111. Jubiläum begangen. Angelika Kopitzke hat fast ihr ganzes Leben an dem traditionsreichen Ort in Oranienburg verbracht. Die 49-Jährige, die geistig und körperlich behindert ist, kam im Alter von zwei Jahren auf den, Johannesberg".

Bereits 1899 hatten die Dominikanerinnen vom Arenberg bei Koblenz hier ein Kinderheim gegründet. In der ehemaligen Sommervilla sollten zunächst Waisenkinder des Katharinenstifts in Berlin Erholung finden. Im Laufe der Jahre nahmen die Ordensschwestern jedoch noch viele andere Kinder auf, darunter auch Mädchen und Jungen mit Behinderung. 1962 kam Angelika Kopitzke in das Heim.

Die Dominikanerinnen seien wie „eine Familie" für sie gewesen. Besonders zu einer Ordensfrau hatte Angelika Kopitzke eine besonders enge Beziehung: „Ich hab' früher zu Schwester Vincentine ,Mutti' gesagt." 1986 übergaben die Schwestern St. Johannesberg in andere Hände: Der Caritas-Verband übernahm die Trägerschaft der Einrichtung. Als am 20. Mai die letzten Ordensfrauen das Haus verließen und mit ihnen auch Schwester Vincentine ging, war das ein herber Verlust für Angelika Kopitzke. „Da waren wir alle traurig gewesen, da war ein großes Geheule", erinnert sie sich.

Die 49-Jährige hat alle Veränderungen, die danach folgten, miterlebt. Als die Heimbewohner 1989 in sieben neue Gruppen" eingeteilt wurden, kam die in die „Raphaelgruppe", die Gruppe der Erwachsenen. Und als 1991 eine Werkstatt und eine Sonderschule auf dem Gelände eröffnet wurden, fand sie eine Arbeit in der Küche der Werkstatt. Als Küchenhilfe schält sie bis heute Kartoffeln, Mohrrüben und Zwiebeln. Aber letztere „nicht so gerne, weil die Zwiebeln immer so stinken". Die Tätigkeit macht ihr Spaß. Überhaupt liebt sie es, mit den Händen zu arbeiten -wie beim Knüpfen oder beim Häkeln.
  In ihrer Freizeit spielt Angelika Kopitzke auch in der Theatergruppe von St. Johannesberg mit, kümmert sich um ihre Wellensittiche und geht alleine einkaufen. Seit 1995 ist sie außerdem Messdienerin. Und wenn sie mal nicht ministriert, dann verfolgt sie den Gottesdienst sehr gewissenhaft. Der Glaube ist ihr wichtig. Vor dem Schlafen betet sie, besonders für ihre Ziehmutter Schwester Vincentine, die mittlerweile verstorben ist.

Einen „Johannesberg" ohne Angelika Kopitzke können sich viele Mitarbeiter der Einrichtung nicht mehr vorstellen. Trotz ihrer im Laufe der Zeit gewonnenen Selbstständigkeit steht auch für Angelika Kopitzke fest: Sie möchte bleiben, weil sie weiß, dass es hier Menschen gibt, die ihr helfen.    Sabrina Müller