Aktuell haben wir wieder freie Wohnplätze für Kinder & Jugendliche.

11.03.2010 - Märkische Allgemeine Zeitung - "Zwei-Millieu-Prinzip"

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11.03.2010 - Märkische Allgemeine Zeitung - "Das Zwei-Milieu-Prinzip"

St. Johannesberg:
Auch wer nicht arbeiten kann, muss mal raus aus den vier Wohnheimwänden

94 behinderte Menschen leben im Wohnheimverbund des St. Johannesbergs. Im einstigen „Kinderhaus" entstehen bis August 24 Förderplätze für die Bewohner, die tagsüber nicht in den Werkstätten arbeiten können.

Von Heike Bergt

ORANIENBURG | „Lange haben wir überlegt, wie wir das alte Gebäude nutzen können. Es sollte keine schnelle, sondern eine Lösung von Dauer sein", erinnert sich Gerlinde Fielitz. Nun ist sie gefunden, und seit ein paar Tagen ist der Anbau aus der Zeit um 1920 verschwunden. „Die kleinen Zimmer und schlauchartigen Räume waren einfach nicht nutzbar." Stattdessen werden nun an der Stirnseite das neue Treppenhaus und der Fahrstuhl installiert.
Für rund 400 000 Euro stellt die Caritas das alte Gemäuer baulich auf den Kopf. In der unteren Etage hat bereits seit sechs Jahren der Bereich der Berufsvorbereitung sein Domizil. Die meisten Erwachsenen, die im Wohnverbund rund um die Uhr umsorgt werden, gehen tagsüber in die Werkstätten. Doch nicht alle können das. Aber auch den schwerstmehrfach Behinderten steht eine individuelle Förderung zu, und das außerhalb der eigenen vier Wohnheimwände.
Zwei-Milieu-Prinzip, nennen es Fachmann und Gesetzgeber. „Nur so können wir Tagesstruktur ermöglichen, erleben die Heimbewohner tagsüber anderes Personal und ein anderes Umfeld als am Abend", beschreibt es die Rehabilitationspädagogin. 13 Frauen und Männer gibt es derzeit, die auf diese Weise individuell gefördert werden. 24 Plätze will der Johannesberg nach dem Umbau vorhalten für diese Art der Betreuung.
Das Büro für Baubetreuung Hohen Neuendorf begleitet den Umbau. Nachdem die obere Etage „entkernt" und die Dachkonstruktion verstärkt worden waren, stellen die Bauleute nun Zwischenwände ein und ziehen neue Kabel. Dabei entstehen Beschäftigungs- und Entspannungsräume, Toiletten, eine große Küche und ein Therapieraum für die Theatergruppe des Hauses. „Wir wollen uns damit auch Klienten von außen offnen, die keine Werkstätten besuchen können", so Gerlinde Fielitz.
Mit diesem Leistungsangebot für behinderte Menschen, finanziert vom Sozialhilfeträger, ist der Johannesberg Vorreiter. Das Angebot, so die Leiterin, sollte ursprünglich schon 2009 eingeführt werden. Nun sei es voraussichtlich bis 2011 hinausgeschoben. Das berge bei der Finanzierung Unsicherheiten. Trotzdem bleibt sie zuversichtlich: „Der Bedarf ist einfach da."

„Es sollte keine schnelle, sondern eine Lösung von Dauer sein" Cerlinde Fielitz
Pädagogin


Am Johannestag vor 111 Jahren
• Dominikanerinnen vom Arenberg bei Koblenz, die am Johannestag 1899 nach Oranienburg kamen, ist die Existenz des Johannesbergs zu verdanken.
• Bis 1986 betreuten die Schwestern Säuglinge, Waisen, Flüchtlinge und behinderte Kinder und Jugendliche.
• Seit 1991 ist die Caritas Familien- und Jugendhilfe Trägerin der zum Johannesberg gehörenden Einrichtungen: die Förderschule für geistig Behinderte, die Behindertenwerkstatt und der Wohnheimverbund mit dem Valentinenhof in Schmachtenhagen
• Im ehemaligen „Kinderhaus", Baujahr 1902, ist das Erdgeschoss seit 2004 vom Bereich Berufsbildung der Behindertenwerkstatt genutzt. Die obere Etage stand leer.
• Abgerissen ist mittlerweile der Anbau, in dem sich Wohnungen für Mitarbeiter und Ordensschwestern befanden.
• An der Stirnseite werden das neue Treppenhaus und der Fahrstuhl angebracht.
• Die Gesamtinvestition über 400 000 Euro wird über einen Kredit finanziert.
• Der 111. Geburtstag wird am 25. Juni mit einem großen Fest gefeiert.


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