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30.04.1994 - Oranienburger Generalanzeiger - "Doch Platz für behinderte Tochter"

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Doch Platz für behinderte Tochter

Hohen Neuendorf: Verzweifelter Hilferuf wurde erhört / Integration ist das Ziel
 
Hohen Neuendorf (zeit) • Nach nur 14 Tagen konnte ein Heimplatz für die mehrfach behinderte Elisabeth Rüdiger (8 Jahre) aus Hohen Neuendorf gefunden werden. Das junge Mädchen wurde gestern in einem heilpädagogischen Kinderheim in Berlin-Hohenschönhausen aufgenommen, berichtete die Mutter Carola Rüdiger erleichtert. In dem Heim soll Elisabeth vorerst für vier Jahre betreut werden. Während dieser Zeit wird die Integration in die Familie vorbereitet. Denn die Achtjährige soll auf jeden Fall wieder in Hohen Neuendorf wohnen.

Die damals verzweifelte Mutter bat über unsere Zeitung um Hilfe, die auch tatsächlich kam. Es gab Angebote aus Wittstock, Gransee, Hohen Neuendorf, Oranienburg, Kremmen und Berlin. Zahlreiche Menschen schickten Carola Rüdiger Briefe mit aufmunternden Ratschlägen, hilfreichen Telefonnummern und Adressen sowie konkreten Angeboten. „Ich war erstaunt über so viel Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. Damit hatte ich nicht gerechnet", gestand Frau Rüdiger, die sich auf diesem Wege bei allen bedanken möchte, die ihr Hilfe gaben oder Mut zusprachen.

Auch Heinz Stehr, Leiter des Oranienburger Caritas-Wohnheims „St. Johannesberg", schaltete sich ein. Er konnte den Platz in der Hohenschönhausener Einrichtung der Caritas vermitteln. In Berlin fand Frau Rüdiger ebenfalls umfangreiche Unterstützung. „Dort wurde der ganze Papierkram übernommen", freute sich Frau Rüdiger. Und das war offenbar äußerst kompliziert, da hier eine länderübergreifende Lösung zwischen Berlin und Brandenburg gefunden wurde. Die finanzielle Absicherung des Heimplatzes wurde erst am Donnerstag vom Oranienburger Jugendamt zugesichert.

„Es ist bereits fünf nach zwölf", beschrieb Carola Rüdiger ihre damalige Situation. Wochenlang suchte sie für ihre Tochter einen heilpädagogischen Heimplatz. Doch es hagelte nur Absägen. Um „die Familie zu retten", müsse die achtjährige Tochter in einem Heim untergebracht werden. Eine weitere Familien-Betreuung der Tochter, die geistig behindert sowie verhaltensgestört ist und zudem unter schweren epileptischen Anfällen leidet, könne in Hohen Neuendorf nicht gewährleistet werden. Das wurde auch in einem Gutachten bestätigt.

Der Heimplatz in Berlin sei eine „optimale Lösung", ist Carola Rüdiger überzeugt. „Das entspricht total meinen Vorstellungen." Ihre Tochter kann in den Ferien und am Wochenende sogar nach Hohen Neuendorf geholt werden. „Ich bin glücklich."