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15.02.1994 - ohne Angabe - „Es ist, als würde man sich schon eine Ewigkeit kennen"

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„Es ist, als würde man sich schon eine Ewigkeit kennen"

Gemeinsame Wochenendfahrt von Behinderten und Nichtbehinderten
 
Oranienburg (ds) • Es gibt leider eine große Zahl von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Zu ihnen gehören auch körperlich und geistig Behinderte. Während manche diese Behinderten gar nicht wahrnehmen, bemühen sich andere, ihnen eine Lobby zu verschaffen und sie zu integrieren. Ein Ziel der Arbeit dieser Leute ist es, eine Behinderung als etwas selbverständ1iches anzusehen und dies auch in das Bewusstsein möglichst vieler zu bringen. Ein Weg dazu kann das Zusammenleben von Behinderten und Nichtbehinderten sein.

Ein Weg, ein solches Zusammenleben zu realisieren, kann eine gemeinsame Reise sein, wie sie am vergangenen Wochenende stattfand. Acht geistig und teilweise auch körperlich Behinderte des Oranienbuger Caritas-Wohnheims „St. Johannesberg“, acht Jugendliche aus der katholischen Gemeinde Herz Jesu, sowie sechs Betreuer verbrachten am Wochenende drei Tage in Riewend bei Nauen. Ziel war es, sich näher zu kommen. Nicht zuletzt deshalb stand die Fahrt unter dem Thema „Gemeinsam leben“.
Die Anregung zu diesem Wochenende stammt von Michael Standera, Leiter der Oranienburger Geschäftsstelle des Caritas-Verband Brandenburg e.V.. Schon seit über zehn Jahren betreut er solche Freizeiten, auf denen sich Behinderte und Nichtbehinderte näher kommen sollen. Damals wie heute hält er es für „wichtig, die Leute ins Leben zu holen“. Für ihn, aber auch für die restlichen Begleiter der Fahrt ist dies der Schritt des Handelns, der dem Reden folgen muss.

Mit viel persönlichem Engagement bereiteten die Mitarbeiter aus dem Johannesberg sowie der katholische Pastoralassiste Frank-Peter Bitter dieses Wochenende vor. Die Teilnehmer besaßen dort die Möglichkeit, persönliche Kontakte entstehen zu lassen, was auch gelang. Man kochte und aß gemeinsam, teilte sich die Schlafräume, erledigte alle Einkäufe und sonstige Tätigkeiten in gemischten Gruppen.

Das Zusammenleben zeigte auch deutliche Erfolge. So äußerte sich die 17jährige Jeannine aus Leegebruch, die „Jo-hannesberger“ sind „für mich keine Behinderten, sondern ganz normale Menschen, wie jeder andere auch“. Für Enrico (15), Bewohner des Johannesberg, war die Fahrt auch etwas Besonderes. Er meinte: „Ich habe die anderen vorher nicht so gekannt, aber jetzt verstehe ich mich ganz gut mit dene.“ Auch Daniel (17), sonst Lehrling und Teilnehmer der Fahrt, bestätigte diesen Eindruck. Fast euphorisch verkündete er, „Es ist, als würde man sich schon ewig kennen“.

Einhellig machte sich die Meinung breit, dass alle bei einer Wiederholung der Reise auf jeden Fall teilnehmen würden. Damit war auch das Ziel erreicht. Bei Spiel, Spaß und viel Freizeit kam man sich näher, knüpfte neue Freundschaften und von Vorurteilen war keine Spur!