Aktuell haben wir wieder freie Wohnplätze für Kinder & Jugendliche.

30.10.1997 - Neue Oranienburger Zeitung - "Arbeit in Blau, Wohnen in Gelb"

pdf anzeigen

Arbeit in Blau, Wohnen in Gelb

Werkstätten und Heim im St. Johannesberg werden erweitert
 
Oranienburg • Die neuen Werkstätten auf dem Gelände des St, Johannesberg nehmen Gestalt an. Zwei langgestreckte Hallen mit halbrundem Wellblechdach sind mittlerweile dort entstanden. Die Hallen bieten Platz für 120 behinderte Menschen, die ab Mai nächsten Jahres dort ihre Arbeit aufnehmen. Mit der neuen Werkstatt er weitert sich auch die Produktpalette der Caritas-Werkstatt. Hinzukommen Metallverarbeitung und eine Schilderwerkstatt. „Da können sie Schilder in jeglicher Ausführung    herstellen, Computer und Scanner machen es möglich", verspricht Heinz Stehr, Leiter des St. Johannesberg.

Zur Zeit arbeiten 140 behinderte Menschen in drei Werkstätten in Oranienburg und Germendorf. Diese Standorte bleiben bestehen, ein weiteres Gebäude im Oranienburger Stadtgebiet wird angemietet, um den Bedarf zu decken. Und eine dritte Halle mit weiteren 60 Plätzen ist bereits geplant. Die Werkstatt in Germendorf hat dann ausgedient, und langfristig wird es einen zentralen Werkstattstandort auf dem St. Johannesberg-Gelände geben.

Hinter dem jetzigen Gebäudekomplex wird ebenfalls gewerkelt. Seit August diesen Jahres entstehen dort eingeschossige Wohngebäude für die Heimbewohner. 36 Erwachsene und 22 Kinder und Jugendliche ziehen im Herbst kommenden Jahres in die vier neuen Gebäude ein. Der verantwortliche Architekt -hat im Vorfeld die Einrichtung oft besucht und sich mit den Bewohnern unterhalten, um ihre Bedürfnisse kennenzulernen, Um Selbstversorgerküche, Gemeinschaftsräume, Mitarbeiterzimmer und großzügig gestalteten Sanitärbereich herum, liegen die Einzel- und Doppelzimmer der Bewohner.

Auch die Förderschule auf ehemaligem Geko-Gelände steht zur Debatte. Ob allerdings das Land die Kosten für einen Schulneubau auf dem Caritas-Gelände trägt, ist noch fraglich. Jeder der drei Bereiche der Einrichtung hat eine eigene Farbe: Blautöne für die Werkstätten, Rottöne für die Schule und Gelbtöne fürs Wohnen, „Aber dezent, wir sind ja nicht Disney-Land", erklärt Stehr.

Rund acht Millionen sind für den Werkstattneubau veranschlagt, neunzig Prozent davon tragen Bund und Land, Und jeder Heimplatz kostet rund 140000 Mark. „Das klingt gewaltig, aber allein eine Hubbadewanne für Rollstuhlfahrer kostet 20000 Mark, und in den Baukosten sind Gemeinschaftsräume und Außenanlagen mit berechnet", erklärt Stehr. Immer häufiger höre er die Frage; „Bringt denn das was?" erzählt Stehr von Diskussionen über die Kosten der Behindertenbetreuung. „Für uns ist ein behinderter Mensch ein vollwertiger Mensch, der die gleichen Rechte auf Bildung, Arbeit und Vergnügen hat", macht Stehr deutlich. Kritikern schlägt Stehr immer vor, doch das Geld für die Betreuung einzustreichen, dafür aber auch die Behinderung zu übernehmen. „Bisher wollte nie jemand tauschen", sagt Stehr lächelnd.

Dirten Püttmann